Fledermäuse übernachten in fleischfressenden Pflanzen

Die Fledermäuse auf der Insel Borneo sind echte Hausbesetzer: Zum Schlafen machen sie es sich in fleischfressenden Pflanzen bequem – natürlich, ohne selbst verspeist zu werden. Allerdings sind die Blutsauger wählerisch. Sie haben es dabei auf eine ganz bestimmte Sorte abgesehen. Ein internationales Forscherteam hat diese ungewöhnliche Symbiose jetzt näher unter die Lupe genommen.

Die fleischfressende Kannenpflanze erhält als  Miete Nährstoffe aus dem in der Kannenflüssigkeit hinterlassenen Fledermauskot.

Die wissenschaftliche Studie untersucht die Beziehung der auf Borneo beheimateten Hardwick-Wollfledermaus zu zwei verschiedenen Arten von fleischfressenden Kannenpflanzen, Nepenthes hemsleyana und Nepenthes bicalcarata. Um aussagekräftige Daten sammeln zu können, statteten die Wissenschaftler etwa 70 Fledermäuse mit kleinen Antennen aus. So waren sie in der Lage, die Tiere jederzeit zu orten und ihr Schlafverhalten am Tag überwachen zu können

Fledermaus und Pflanze profitieren vom „Mietverhältnis“ 

Das Ergebnis: Nur mit einer der beiden Pflanzen geht die südostasiatische Hardwick-Wollfledermaus eine symbiotische Beziehung ein. In den Kannen der Nepenthes hemsleyana herrscht ein für die Tiere perfektes Mikroklima mit konstanter Temperatur. Außerdem sind die Innenwände der Kanne so glatt, dass sich keine Parasiten ansiedeln können. Ein Umstand von dem auch die Fledermaus profitiert. So bleibt auch die nächtigende Fledermaus frei von Befall –ein Schlafplatz erster Wahl also. Aber auch Nepenthes hemsleyana geht nicht leer aus. Sie zieht wiederum wichtige Nährstoffe aus den Exkrementen, die die Fledermäuse als „Miete“ hinterlassen. Eine klassische Win-Win-Situation, welche die zweite Pflanzenart Nepenthes bicalcarata nicht bieten kann.

Mangel an Schlafquartieren: Nepenthes bicalcarata als zweite Wahl

Pech nur für die Fledermäuse: die bevorzugte Pflanze „Nepenthes hemsleyana“ ist leider selten und nur wenige der Blutsauger können einen Premiumschlafplatz ergattern. Sie müssen vielmehr mit Nepenthes bicalcarata vorlieb nehmen, obwohl dies nur Nachteile für sie bringt. Die Forscher konnten nachweisen, dass diese Fledermäuse in schlechterer körperlicher Verfassung sind. So litten sie häufiger unter Parasitenbefall als ihre Artgenossen, die sich einen der begehrten Plätze in Nepenthes hemsleyana sichern konnten.

Die weniger optimalen Schlafstätten sind für die Fledermäuse viel leichter zu finden, da Nepenthes bicalcarata , um überhaupt als Schlafplatz in Frage zu kommen, abgestorben sein muss. Denn eine intakte Kanne der Nepenthes bicalcarata ist fast vollständig mit Verdauungsflüssigkeit gefüllt. Kein Wunder also, dass diese sich nur als Schlafplatz eignet, wenn die Pflanze entweder tot ist oder zumindest ihre Beutefalle soweit beschädigt ist, dass der säurehaltige Inhalt nicht mehr enthalten ist.

In Zukunft wollen die Wissenschaftler ermitteln, ob die Fledertiere sich für ihre zweite Wahl gezielt nach bereits toten oder beschädigten Pflanzen umschauen oder ob sie womöglich selbst Löcher in die Kannen beißen, um sie für ihre Zwecke nutzbar zu machen.

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