„Mars 500“: Raumfahren macht müde

Müdigkeit spielt im All eine große Rolle. Denn mit zunehmendem Aufenthalt im Weltraum steigen unter anderem Schlafprobleme und Antriebslosigkeit an. Das ergab die Simulation einer 520-tägigen Mars-Mission.

Bisher verbrachten erst vier Menschen länger als ein Jahr im All. Das Wissen über die Auswirkungen auf Schlafverhalten und Energiehaushalt zukünftiger Besatzungsmitglieder ist also nicht sonderlich groß. Aus diesem Gedanken entstand das gemeinsame Forschungsprojekt der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos. „Mars 500“ wurde in ihrem Auftrag über einen Zeitraum von 17 Monaten vom Institut für Biomedizinische Probleme (IBMP) in der Nähe von Moskau durchgeführt. Sechs Männer zwischen 27 und 38 Jahren aus vier Nationen – alle in bester körperlicher und psychischer Verfassung – waren von der Außenwelt isoliert und Bedingungen ausgesetzt, wie sie in einem Spaceshuttle herrschen.

Schlafstörungen und Lethargie an der Tagesordnung

Schon nach kurzer Zeit stieg die Trägheit der Probanden an. Sie bewegten sich weniger, schliefen und ruhten dafür mehr. Vier von sechs entwickelten Schlafstörungen, Lethargie, Schlafmangel oder eine Verschiebung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Dennoch gab es unter den Teilnehmern enorme Unterschiede, zum Beispiel beim Verhältnis von Wach- und Schlaf-Perioden. Ein Zeichen dafür, dass bei der Auswahl künftiger Astronauten darauf geachtet werden muss, wie gut sie mit Isolation und ohne natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus auskommen. Zudem kann es hilfreich sein, wenn die Beleuchtung im Raumschiff den Tag-Nacht-Zyklus imitiert und alle Aktivitäten, wie Essen und körperliche Betätigung, sich an Dunkelheit und Helligkeit orientieren.

Erkenntnisse für All und Alltag

Die Ergebnisse von „Mars 500“ sind auch für das Leben auf der Erde interessant. In Industrienationen, in denen viele Menschen im Büro arbeiten und hauptsächlich künstlichem Licht ausgesetzt sind, werden Schlafstörungen immer häufiger – die innere Uhr gerät zusehends aus dem Gleichgewicht. Die Folge: Ein „sozialer Jetlag“, den unterschiedliche Arbeitszeitmodelle und sich ändernde Freizeitgewohnheiten weiter verstärken.

Fazit der Experten ist, dass man nicht nur auf dem Weg ins All, sondern auch im Alltag darauf achten sollte, seinen Schlaf-Wach-Rhythmus in Einklang mit dem Biorhythmus seiner natürlichen Umgebung zu bringen.24

 

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  1. Basner M et al. Mars 520-d mission simulation reveals protracted crew hypokinesis and alterations of sleep duration and timing. PNAS 2013; published ahead of print January 7, 2013, doi:10.1073/pnas.1212646110.