Narkolepsie und Vererbung

Früher oder später steht man vor der Entscheidung, ob Familie und Kinder zur Lebensplanung gehören. Das gilt auch für Narkolepsie-Patienten. Im Raum steht dann die Frage, welche Auswirkungen eine Narkolepsie auf die Schwangerschaft hat bzw. ob sie sich auf die Nachkommen vererbt. 

Gesunde Kinder trotz Narkolepsie

Studiendaten aus dem Europäischen Narkolepsie Netzwerk zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, gesunde Kinder zu bekommen, bei Narkolepsie-Patientinnen genauso hoch ist wie bei gesunden Menschen.85 Bei Narkolepsie-Patientinnen mit Kataplexie (ein Erschlaffen der Haltemuskulatur) wurden in der Schwangerschaft häufiger Komplikationen wie Anämie und Störungen im Blutzucker-Stoffwechsel beobachtet, außerdem waren die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft und die Kaiserschnitt-Rate höher.85 „Mich persönlich ermutigen die Ergebnisse, Paare in ihrem Kinderwunsch zu unterstützen“, erklärt der Neurologe Dr. Peter Geisler aus Regensburg.86 Narkolepsie sollte somit kein Hinderungsgrund sein, Nachwuchs zu bekommen.

Auch aus der Zwillingsforschung kommen ermutigende Ergebnisse.87 88 89 Die Forscher stellten fest, dass selbst bei eineiigen Zwillingen die genetische Veranlagung nicht automatisch zu einer Narkolepsie führen muss.3,4,5 Bei den elf untersuchten eineiigen Zwillingspärchen trat trotz identischer genetischer Anlage die Erkrankung Narkolepsie in der Mehrzahl jeweils nur bei einem Zwilling auf. Lediglich bei einem Zwillingspärchen waren beide an einer Narkolepsie erkrankt.87 88 89


Genetisch oder Umweltbedingt?

Gewisse familiäre Häufungen von Narkolepsie wurden zwar beobachtet, sind jedoch selten. So weisen lediglich 1-3% der Verwandten ersten Grades (Eltern, Geschwister) von Betroffenen, entweder eine Narkolepsie auf oder leiden zumindest an einer erhöhten Tagesmüdigkeit oder -schläfrigkeit.87
 

Man geht heute davon aus, dass neben der genetischen Veranlagung auch andere Faktoren an der Krankheitsentstehung beteiligt sind.88 Umwelteinflüsse (Unfallereignisse, Infektionen, Impfungen) und/oder autoimmune Prozesse, bei denen der Körper sich selbst angreift und die das zentrale Nervensystem beeinflussen, stehen im Verdacht, eine Narkolepsie auslösen zu können.88 90 Sie liefern der Forschung weitere Puzzleteile, die bei der Ergründung der Krankheitsursache helfen können.

Kategorie:
  1. Maurovich-Horvat E et al. Narcolepsy and pregnancy: a retrospective European evaluation of 249 pregnancies. J sleep Res 2013; 22(5):496-512

  1. Geisler P. Studienkommentar, XyREM-Report 4/2103

  1. Mayer G: Narkolepsie - Taschenatlas spezial. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2006

  1. Mayer G et al.: Narkolepsie – Neue Chancen in Diagnostik & Therapie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2007

  1. Pollmächer T et al.: DR2-postive monozygotic twin discordant for narcolepsy. Sleep 1990; 13: 366-343

  1. www.dng-ev.de (letzte Zugriffsdatum: 6.12.2013)