Wer war eigentlich... Jean-Baptiste-Edouard Gélineau?

Der französische Arzt Jean-Baptiste-Edouard Gélineau (1828-1906) gilt als einer der Entdecker und Namens-geber der Narkolepsie. Doch wer war der Mediziner, der mit seiner Publikation „De la narcolepsie“ so weit-reichenden Einfluss hatte?

Gélineau wurde 1828 in der Nähe von Bordeaux im Süden Frankreichs geboren. Seine medizinische Karriere begann er als Marinearzt an der Atlantikküste. Eine gesunde Neugierde prägte sein Schaffen schon in frühen Jahren: Zeitweise praktizierte er als Schiffsarzt im Indischen Ozean und unternahm abenteuerliche Expeditionen, um unbekannte Tropenkrankheiten zu erforschen.

Ein berühmter Zeitgenosse
Zu mehr Prominenz verhalfen Gélineau nicht nur die Auszeichnungen, die er sich als Chirurg während des Deutsch-Französischen Kriegs verdiente, sondern vor allem die nach ihm benannten Tabletten. Die arsen- und bromhaltigen Pillen sollten Epileptikern helfen und Menschen mit Neurosen beruhigen.

Mediziner und Winzer
Mehr und mehr entwickelte sich der Arzt zu einem facettenreichen Wissenschaftler und einer schillernden Figur: Er erarbeitete ein Krankenversicherungssystem für alte Menschen, gründete erfolgreiche Gesundheitszentren und versuchte sich im Mineralwasser-Geschäft. Auch nachdem er sich im Jahr 1900 aus dem Berufsleben zurückzog, wurde es nicht still um ihn. Nach alter Familientradition widmete sich Gélineau im Alter dem Winzer-Dasein und wurde für seine Bordeaux-Weine mehrfach ausgezeichnet.

Narkolepsie – eine weitreichende Wortschöpfung
Doch weder für seine Tabletten noch für seine edlen Tropfen ist Gélineau uns heute im Gedächtnis geblieben. Nachdem er 1878 seinen Lebensmittelpunkt nach Paris verlegt hatte, begegnete ihm 1880 sein erster Narkolepsie-Patient. Im Fachmagazin „La Gazette des Hôpitaux de Paris“ beschrieb er den ungewöhnlichen Fall eines 38-Jährigen, der bis zu 200 Mal am Tag in den Schlaf fiel. Zwar wurde bereits einige Jahre vor Gélineau von ähnlichen Fällen berichtet, der Franzose fand jedoch als erster einen passenden Namen für die Krankheit und betitelte seinen Artikel „De la narcolepsie“.

Der Begriff Narkolepsie – zusammengesetzt aus dem Griechischen „narkos“ (Schlaf) und „lepsis“ (annehmen) – setzte sich schnell durch. Sogar Jean-Martin Charcot, der Begründer der modernen Neurologie, bediente sich Gélineaus' Wortkreation.

Ein weiterer Verdienst des Mediziners ist die klare Abgrenzung des Krankheitsbilds der Narkolepsie von der Epilepsie. Aufgrund seines Vorwissens auf diesem Gebiet kam Gélineau zu dem Schluss, dass die beiden Krankheiten keinen Zusammenhang haben und wies so den Weg für die medizinische Erforschung der Narkolepsie.65 66

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  1. Todman D. Narcolepsy: A Historical Review. The Internet Journal of Neurology 2008; 9 (2).

  1. Schenck C et al. English translation of the first clinical reports on narcolepsy and cataplexy by Westphal and Gélineau in the late 19th century, with commentary. JCSM 2007; 3 (3): 301-311.