Diagnose von Narkolepsie

Wer den Verdacht hat, an Narkolepsie erkrankt zu sein, sollte einen Arzt aufsuchen. Dieser wird zunächst in einem Gespräch die Krankengeschichte ausführlich klären. Mithilfe spezieller Fragebögen lässt sich dann die Art und Schwere der Schlafstörung erfassen.69 143 109 Zu diesen Fragebögen gehören unter anderem die Epworth Sleepiness Scale (ESS), der in Form einer deutschen Übersetzung eingesetzt wird. In diesem Fragebogen können Patienten ihre Tagesschläfrigkeit selbst beurteilen.71 Um die Diagnose zu erhärten, werden eventuell weitere Tests durchgeführt. Möglicherweise erfolgt die Überweisung an einen Spezialisten für Schlafmedizin (Somnologe).69 143 109

Die Diagnose Narkolepsie lässt sich einfach stellen, wenn der Arzt die Erkrankung kennt und die charakteristischen Symptome, insbesondere die Kataplexien, vorhanden sind. Bei unklaren Fällen ist eine Diagnostik im Schlaflabor erforderlich.117 108 112 Doch dank neurologischer Tests und fortgeschrittener Schlaflabortechnik kann eine Narkolepsie heutzutage relativ zuverlässig erkannt werden.69 143 109

Verwechslung mit anderen Krankheiten

Viele Menschen klagen über Tagesschläfrigkeit. Die Ursachen für Schläfrigkeit sind vielfältig. Sie kann durch andere Erkrankungen (organisch), natürliche Vorgänge (z.B. sportliche Verausgabung; physiologisch) oder durch Arzneimittel (pharmakologisch) bedingt sein. Deshalb ist es wichtig, auch internistische, psychiatrische und andere neurologische Erkrankungen auszuschließen.108 71

Eine häufige Ursache von Tagesschläfrigkeit ist eine gestörte Atmung im Schlaf. Auch das Restless-Legs-Syndrom kann dazu führen, dass die Betroffenen zu wenig Schlaf bekommen.114

Kataplexien können als kreislaufbedingte Ohnmachten (sogenannte Synkopen) oder als epileptische Anfälle fehlgedeutet werden. Ein entscheidender Unterschied ist, dass Betroffene bei einer kataplektischen Episode bei Bewusstsein bleiben. Sie erinnern sich weitgehend an das, was um sie herum vorgegangen ist. „Schwarzwerden vor den Augen“ und Schwindel sprechen gegen eine Kataplexie.69

Aufmerksamkeit für Narkolepsie ermöglicht frühzeitige Diagnose

Es ist wichtig, die Öffentlichkeit auch für seltene Erkrankungen wie Narkolepsie zu sensibilisieren. Kennen Ärzte die Symptome von Narkolepsie, trägt dies dazu bei, dass die die Krankheit frühzeitig erkannt und adäquat behandelt werden kann.108 69 Aufgrund der Seltenheit der Narkolepsie gibt es hierzulande mehr als 300 von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) akkreditierte Schlaflabore, die auf die Diagnostik und Therapie der Krankheit spezialisiert sind.107 101

  1. Geisler P: Hypersomnie, Narkolepsie und Tagesmüdigkeit. UNI-MED Verlag AG, Bremen, 1. Aufl. 2009

  1. Mayer G: Narkolepsie - Taschenatlas spezial. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2006

  1. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): www.charite.de(letztes Zugriffsdatum: 06.11.2013)

  1. DGSM - Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin: S3-Leitlinie. Nichterholsamer Schlaf/Schlafstörungen" (hrsg. von G. Mayer & T. Penzel). Somnologie 13 (2009) Suppl. 1, S. 4-38; 84-94

  1. DNG - Deutsche Narkolepsie-Gesellschaft e.v. (Hrsg.): Narkolepsie. Eine Information für Patienten, Angehörige und Ärzte. 1. Aufl. 9-2005; aktualisierte Aufl. 6-2007

  1. ICSD - The International Classification of Sieep Disorders. Diagnostic and Coding Manual. American Academy of Sleep Medicine, Westchester IL, 2. Auf!. 2005, S. 79-94

  1. Mayer G & Weeß H-G (Hrsg.): Narkolepsie - Patientenratgeber der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Letzte Änderung: 21.10.2011. Online-Version unter http://www.dgsm.de

  1. Geisler P: Klinisches Bild, Diagnostik und Differenzialdiagnose. In: Mayer G, Pollmächer T (Hrsg.): Narkolepsie – Neue Chancen in Diagnostik & Therapie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2007, S. 1-15

  1. Clarenbach P, Hajak G, Klotz U, Koella WP, Lund R, Rudolf GAE, Rühle K-H (Hrsg.): Schering Lexikon Schlafmedizin. MMV Medizin Verlag, München, 2. vollst. überarb. Aufl. 1989

  1. Hoban TF, Chervin RD: Hypersomnia and Narcolepsy. In: Avidan AY & Zee PC (Hrsg.): Handbook of Sleep Medicine. Lippincott Williams & Wilkins, Philadelphia 2006, S. 70-97, App. A-K